Mein Mindset

Wie ich mir die Arbeit mit einem Orchester vorstelle

ZIELE
„Da wollen wir hin!“ STATT „Was machen wir dieses Jahr?“

Ein Musikverein sollte einen musikalischen und organisatorischen Qualitätsanspruch haben, der nur durch fleißige und stetige Mitwirkung jedes Einzelnen erreicht werden kann. Jedes Orchestermitglied muss sich dieser Verantwortung bewusst sein, damit das erreichte Niveau erhalten und weiter ausgebaut werden kann. Eine professionelle Arbeit sollte gewährleistet und die musikalische und kollegiale Zusammenarbeit im Orchester gefördert werden. Hierzu sollte ein Orchester Ziele benennen (Leitlinien und Zielvereinbarungen), welche von allen Musiker*innen verhandelt und dann getragen werden müssen.

INNOVATION
„Interessant! Wir versuchen es mal!“ STATT „Das haben wir immer so gemacht!“

Zeitgemäße Proben- und Vereinsarbeit sollte immer einen Blick für neue Entwicklungen und Innovationen haben. Hierzu bedarf es von allen Beteiligten ein großes Maß an Offenheit und Kreativität. Dabei dürfen Traditionen und gefestigte Konzepte nicht mit einer abwertenden Haltung begegnet werden, sondern sollten bestmöglich weiterentwickelt werden.

Steffen Wardemann dirigiert

PROBENPHILOSOPHIE
„Ich habe das geübt!“ STATT “das Stück kann ich schon!“

Die musikalische Entwicklung eines Vereins, sowie die Vorbereitung eines öffentlichen Auftritts benötigen Zeit! Dabei ist eine regelmäßige Teilnahme an Proben und Auftritten unentbehrlich, um die Entwicklungen des Programms und des Orchesters nicht aufzuhalten. Jedes Stück will dabei geprobt sein und bietet die Möglichkeit der Weiterentwicklung. Gemeinsame Proben dienen dabei nicht dem Erlernen des Notentextes, sondern dessen, was nicht in den Noten steht. Daher ist das häusliche Üben unerlässlich. Regelmäßige Registerproben, Satzproben, Probenwochenenden, Probenabende und Probentage mit und ohne Dozenten zählen zu den probenorganisatorischen Möglichkeiten eines Orchesters und sollten zielführend eingesetzt werden.

MOTIVATION
„Das ist eine tolle Herausforderung!“ STATT „Das können wir nicht!“

Die Wahl eines Repertoires, aber auch die Vereinsarbeit sollte immer in einem anfordernden, aber machbaren Verhältnis zwischen Unterforderung und Überforderung stehen. In den Extremen, der Unterforderung und der Überforderung, ist Weiterentwicklung und Motivation nicht möglich. Dieses Verhältnis gilt es in einem Orchester herauszufinden, ohne besonders leistungsstarke sowie leistungsschwache Musiker*innen aus dem Auge zu verlieren.

POTENTIALENTFALTUNG
„Was meinst du?“ STATT „Weil ich es sage!“

In vielen Proben wird nur einseitig kommuniziert. Der Dirigent / die Dirigentin tritt dabei als gutmütiger „Chef“ auf, was die Erwartungshaltung eines alleinwissenden Direktors bei den Musiker*innen bestärkt. Ich bin davon überzeugt, dass in allen Musizierenden Potentiale stecken, welche durch eine solche Haltung gehemmt und blockiert werden. Daher sollte eine Probe so gestaltet sein, dass alle ihren Teil zum Erfolg beitragen können und sollten.

METHODISCHE VIELFALT
„Da lass‘ ich mich drauf ein!“ STATT „Kinderkram!“

Probenarbeit hat auch immer mit Lernen zu tun. Dabei steht nicht nur das Erlernen des neuen Programms im Fokus, sondern auch eine allgemeine musikalische Weiterentwicklung des Orchesters. Hierzu nutze ich verschiedene, im ersten Moment vielleicht ungewöhnlich innovative Probenmethoden (u.a. relative Solmisation, Rhythmussilben, Bodypercussion, Atemübungen, …, sowie SCRUM als agile Probengestaltung), welche alleine das Ziel haben wirksam ein Orchester auch abseits eines Programms zu coachen.

PROFESSIONALISIERUNG DER VEREINARBEIT
„Wir nutzen unser Netzwerk!“ STATT „Wir machend das irgendwie!“

Viele Aktivitäten eines Vereins können und sollten von den Mitglieder*innen selbst organisiert und durchgeführt werden. Dies hat aber auch Grenzen! Ein professionelles Ergebnis sollte nicht durch eine „wir machen alles selbst“-Einstellung behindert werden. Gleichzeitig müssen aber auch Möglichkeiten der Potentialentfaltung gegeben und vorhandene Ressourcen genutzt werden.

FLOW DURCH TEAMGEIST
„Was kann ich dem Verein geben?“ STATT „Was hat der Vorstand / der Dirigent dieses Jahr erreicht?“

Motivation der Mitglieder*innen eines Orchesters, die aktive Teilnahme am Vereinsleben, sowie das gemeinsame Erreichen von Zielen, kann aus meiner Sicht nur erreicht werden, wenn die Musiker*innen in einen Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder einer Funktionslust abtauchen können. Direkte Mitbestimmung, Teilhabe und Übergabe von Verantwortung, unabhängig von Vorstandsposten und Titeln sollten ermöglicht werden.